Einleitung

Island in einer Woche ab einem deutschen Hafen zu erleben, vereint die Magie der Mitternachtssonne mit der Effizienz einer kompakten Reise. Die Strecke ist anspruchsvoll, die Tage sind lang, und das Wetter kann wechselhaft sein – genau deshalb lohnt ein sorgfältiger Plan. Dieser Reiseführer verbindet realistische Routenoptionen, datenbasierte Hinweise zur Saisonwahl und konkrete Tipps für Landausflüge, Budget, Ausrüstung und Bordalltag. Ziel ist es, dir Klarheit und Gelassenheit zu geben: Du verstehst, was machbar ist, wo Puffer nötig sind und wie jede Entscheidung – von der Kabine bis zur Jacke – deine Woche auf dem Nordatlantik spürbar verbessert.

Gliederung

– Routen, Saison und Anreise ab Deutschland: Entfernungen, Reisezeit, Abfahrtsorte, realistische Erwartungen
– 7-Tage-Plan: Tag-für-Tag-Vorschläge, Alternativen bei Wetter, Landausflugs-Ideen
– Budget, Kabinenwahl und Bordleben: Kostenrahmen, Spartipps, Wohlbefinden an Bord
– Wetter, Packliste, Gesundheit und Sicherheit: Kleidung, Seegang, Zahlungs- und Praxisfragen
– Fazit und Reise-Checkliste: Zusammenfassung, letzte To-dos, Entscheidungsstützen

Routen, Saison und Anreise ab Deutschland

Für eine 7-tägige Island-Kreuzfahrt ab Deutschland stehen vor allem Häfen an Nord- und Ostsee im Fokus. Abfahrten erfolgen häufig von nördlichen deutschen Seehäfen, die eine günstige Lage zur Nordsee und damit kürzere Transitzeiten bieten. Die reine Distanz bis Reykjavík liegt – je nach Route durch Nordsee und Dänemarkstraße – grob zwischen 1.200 und 1.400 Seemeilen. Bei typischer Reisegeschwindigkeit von 16–19 Knoten ergibt das rund 65–85 Stunden auf See pro Richtung. Für eine einwöchige Reise ist deshalb eine schlanke Routenplanung sinnvoll: wenige, dafür intensive Hafentage, kombiniert mit gut genutzten Seetagen.

Die Saison dauert in der Regel von Mai bis September. Wetter- und Lichtbedingungen unterscheiden sich deutlich: Im Juni und Juli sind in Reykjavík bis zu 20–21 Stunden Helligkeit üblich, was längere Erkundungen ermöglicht. Die Durchschnittstemperaturen bewegen sich meist zwischen 10 und 15 °C im Hochsommer, im Mai und September eher zwischen 5 und 12 °C. Niederschläge sind jederzeit möglich; je nach Monat fallen im Südwesten häufig 50–90 mm. Der Seegang kann moderat bis lebhaft sein – besonders bei Nordwestwinden in der Dänemarkstraße. Plane deshalb Pufferzeiten für An- und Ablegen ein und wähle Landausflüge, die flexibel anpassbar sind.

Realistische 7-Tage-Optionen beinhalten häufig zwei volle Island-Hafentage und vier bis fünf Seetage (inklusive An- und Abreise). Eine kompakte Musterroute könnte beispielsweise so aussehen: Abfahrt ab Norddeutschland, zwei Seetage, Reykjavík (1 Tag), optional Westisland wie Grundarfjörður oder Ísafjörður (1 Tag), zwei bis drei Seetage zurück. Alternativ lässt sich ein Ostisland-Hafen wie Seyðisfjörður einplanen, was die Ansteuerung über die norwegische See begünstigt, aber die Verteilung der Seetage verschiebt. Wer zusätzliche Zeit gewinnen möchte, prüft kombinierte Modelle: Anreise per Bahn zum deutschen Hafen, direkter Check-in, und bei knapper Woche Landausflüge mit kurzen Transferzeiten im Hafen selbst.

Zur Anreise zum Abfahrtshafen bieten sich Bahn und Fernbus als entspannte Optionen an; sie sind robust gegen Wetterabweichungen und ersparen Parkplatzsuche. Frühe Anreise (idealerweise am Vortag) ist ratsam, um Verspätungsrisiken zu minimieren. Unterlagen wie Ausweis, Versicherungsnachweis, ggf. Einreisebestimmungen für Island (EU-/EFTA-Kontext) und medizinische Dokumente solltest du griffbereit halten. So startest du strukturiert in eine Woche, die dich durch Tiden, Fjorde und vulkanische Landschaften führt – ohne Hektik am Pier.

7-Tage-Plan: Zeitplan, Häfen und Landausflüge

Tag 1 – Einschiffung in Deutschland: Früh ankommen, Gepäck aufgeben, obligatorische Sicherheitseinweisung absolvieren. Nach dem Auslaufen prägt der Wechsel von Fluss- oder Hafengewässern in die offene Nordsee das Bild. Nutze diesen Abend für Orientierung: Deckplan studieren, Restaurantszeiten prüfen, Seetagsprogramm sichten. Wer empfindlich auf Seegang reagiert, nimmt die erste Nacht leicht und wählt gut verträgliches Essen.

Tag 2 – Seetag Richtung Nordatlantik: Der Ozean atmet anders als Küstenwasser – tiefer, regelmäßiger. Gönn dir Vorträge über Geologie, Nordlichter (je nach Saison), Seevögel oder Wale, die in subarktischen Gewässern gesichtet werden können. Trainingseinheiten im Fitnessraum, Bibliothek oder eine Runde auf dem Außendeck halten dich in Bewegung. Plane Landausflüge für Island: kurze Wege sparen Zeit, während Panorama-Touren viel Landschaft in wenigen Stunden zeigen.

Tag 3 – Seetag/Ankunft Westisland: Je nach Geschwindigkeit kann hier bereits Westisland in Sicht kommen. Fjordwände, Basaltsäulen und Wasserfälle begrüßen dich – ein Naturtheater, das selbst bei Wolken spektakulär wirkt. Lege dir zwei Pläne zurecht: A) Aktiver Ausflug mit leichter Wanderung zu Aussichtspunkten; B) Fotostopps an markanten Küstenformationen mit kurzer Busfahrt. Beachte, dass Tenderbetrieb bei kleineren Häfen wetterabhängig ist; rechtzeitig an Bordtickets für frühe Tender sichern.

Tag 4 – Reykjavík (ganzer Tag): Die Hauptstadt ist ideal für eine vielfältige Tagestour. Möglichkeiten:
– Stadtbummel mit modernen Museen und Aussichtspunkten, dazu geothermale Bäder zur Erholung
– Golden-Circle-Variante in kompakter Form: Þingvellir-Plateau, ein aktiver Geysir-Bereich und ein mächtiger Wasserfall
– Küsten- und Lavafelder-Tour mit Stopps an Stränden aus dunklem Vulkansand
Tipp: Halte die Transferzeiten kurz (30–45 Minuten zwischen Spots), um den Tag nicht zu zerpflücken. Buche Rückkehrpuffer von 60–90 Minuten vor Ablegen ein.

Tag 5 – Westfjorde oder Halbinsel Snæfellsnes (halber bis ganzer Tag): Wer Landschaft liebt, ist hier richtig. Nähe zu Vogelfelsen, historisch geprägte Fischereiplätze und ein Vulkankegel mit Gletscherblick liefern Kontraste. Alternativen:
– Panoramafahrt mit Fotostopps an Fjordblicken
– Kurze Küstenwanderung auf markierten Pfaden
– Kulinarische Probierstopps mit regionalen Spezialitäten (saisonal)
Achte auf das Wetter: Bei kräftigem Wind ist der Küstenschutz entscheidend; trage wind- und regenfeste Oberbekleidung.

Tag 6 – Seetag Rückreise: Jetzt zahlt sich ein guter Rhythmus aus. Nutze Wellnessbereiche, schreibe Reisetagebuch, sichere Fotos und Videos. Falls der Seegang spürbar wird, hilft regelmäßiges Essen in kleinen Portionen, ausreichend Wasser und Aufenthalt in mittleren Schiffsbereichen, wo die Bewegung geringer ist. Plane die Ausschiffung: Rechnungsübersicht prüfen, Trinkgelder regeln, Gepäckanhänger befestigen.

Tag 7 – Ankunft in Deutschland und Ausschiffung: Frühzeitiges Frühstück, letzte Zoll- und Passkontrollen, geordneter Ausstieg. Wer mit der Bahn reist, wählt einen Zug mit zeitlichem Puffer. Rückblickend zeigt sich, dass zwei intensive Hafentage und vier Seetage (zzgl. An- und Ablegen) eine kompakte, stimmige Woche ergeben – mit genügend Tiefe, um Islands Charakter zu spüren, ohne den Fahrplan zu überdehnen.

Varianten für Wetter oder Abweichungen:
– Austausch eines Westisland-Hafens gegen einen längeren Reykjavík-Aufenthalt
– Fokus auf Innenaktivitäten bei Starkwind: Museen, geothermale Bäder, Kulinarik
– Kürzere, hochverdichtete Stadtrundfahrten mit 2–3 Schwerpunkten statt vieler kurzer Stopps

Budget, Kabinenwahl und Bordleben

Ein solides Budget sorgt für entspannte Entscheidungen. Für eine 7-Nächte-Reise auf der Nordatlantik-Route sind – abhängig von Saison, Kabinenkategorie und Auslastung – grobe Preisrahmen von etwa 900–2.500 Euro pro Person (Doppelbelegung) realistisch; Balkonkabinen und Suiten liegen darüber. Frühbucher- oder Spätverfügbarkeiten können Abweichungen bringen. Rechne zusätzlich mit Bordausgaben: Getränke, Spezialitätenrestaurants, Wellness, Fotos, WLAN und Landausflüge. Eine grobe Orientierung:
– Getränke und Snacks: 10–30 Euro pro Tag, je nach Gewohnheiten
– WLAN je nach Paket und Geschwindigkeit: ca. 10–20 Euro pro Tag
– Landausflüge: 50–150 Euro pro Person und Hafen, abhängig von Dauer und Inhalten
– Serviceentgelte/Trinkgelder: häufig 10–15 Euro pro Person/Tag, je nach Reedereipolitik

Die Kabinenwahl beeinflusst Komfort und Wohlbefinden. Wer empfindlich auf Seegang reagiert, wählt bevorzugt eine Kabine mittschiffs auf einem niedrigeren Deck; hier sind Rollbewegungen geringer spürbar. Innenkabinen sind preislich attraktiv und dunkel – hilfreich für erholsamen Schlaf in hellen Sommernächten. Außen- und Balkonkabinen eröffnen weite Blicke auf Fjorde und Küstenlinien; das kann für Naturbeobachtung wertvoll sein. Achte auf Kabinenlage fern von lauten Bereichen wie Aufzügen oder stark frequentierten Treppenhäusern, um Nächte ruhig zu halten.

Das Bordleben auf einer Island-Route ist vielfältig: Vorträge zu Vulkanismus, Gletschern und Kultur vertiefen das Verständnis, während Deckspaziergänge die Sinne schärfen. Die Nordatlantikluft kann frisch sein; eine winddichte Schicht macht Außenbereiche das ganze Jahr über nutzbar. Kulinarisch lohnt es sich, regionale Zutaten an Bord zu probieren, wenn verfügbar, und an Hafentagen kleine Verkostungen einzuplanen. Für den Geldbeutel gilt: Pakete für Getränke oder Internet lohnen sich vor allem, wenn du deren Leistungen regelmäßig nutzt; sonst sind Einzelkäufe flexibler. Behalte die Borduhr im Blick, besonders bei Zeitzonenwechseln – das vermeidet Hektik vor Ausflügen und beim „All aboard“.

Praktische Hinweise:
– Reserviere beliebte Zeitfenster in Restaurants frühzeitig
– Plane Spa- oder Fitness-Slots an Seetagen, wenn Außenbereiche weniger einladend sind
– Sichere Belege und prüfe die Abrechnung am Vortag der Ausschiffung
– Lade Geräte rechtzeitig; Steckdosen sind begrenzt, eine kleine Mehrfachsteckdose (ohne Überspannungsschutz, wenn verboten) kann helfen

Wetter, Packliste, Gesundheit und Sicherheit

Island ist launisch – im besten Sinne. Vier Jahreszeiten an einem Tag sind kein Klischee: Sonne, Nieselregen, Wind und Nebel können innerhalb von Stunden wechseln. Erfolgreich ist, wer modular denkt. Pack leichte, atmungsaktive Schichten, die du dem Wetter anpasst. Eine Faustformel für Sommermonate: Funktionsunterwäsche, isolierende Midlayer (Fleece oder leichte Wolle), wind- und wasserdichte Hardshell (Wassersäule etwa 10.000 mm oder mehr), Mütze, Handschuhe, Schal oder Buff. Schuhe sollten griffige Sohlen haben und wasserabweisend sein; auf nassen Holzstegen und Lavafeldern zählt Traktion.

Empfohlene Packliste für eine kompakte Woche:
– Wetterjacke mit Kapuze, Hardshell oder robuste Regenjacke
– Warmer Midlayer, z. B. Fleece oder leichter Wollpulli
– Funktionsshirts und -unterwäsche, schnell trocknend
– Lange Hose mit Stretch, optional Softshell
– Wasserdichte, knöchelhohe Schuhe mit Profil
– Dünne Mütze, Handschuhe, Sonnenbrille mit UV-Schutz
– Tagesrucksack (ca. 20–25 Liter), Trinkflasche, Drybag
– Reiseapotheke inkl. persönlicher Medikation, Pflaster, Blasenpflaster, ggf. Mittel gegen Reiseübelkeit (nach Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal)

Gesundheit und Wohlbefinden: Bei Seegang hilft es, viel frische Luft zu schnappen, den Blick auf den Horizont zu richten und leichte, salzarme Kost zu wählen. Armbänder mit Druckpunkten oder Ingwerprodukte werden von manchen Reisenden geschätzt; sprich bei Bedarf vorab mit deiner Hausarztpraxis über geeignete Mittel. Hydration ist entscheidend – Klimaanlagen und Seewind trocknen aus. Sonnenschutz nicht vergessen: die Kombination aus Wind, Wasser und heller Wolkendecke täuscht häufig.

Sicherheit und Praktisches: In isländischen Häfen sind Wege gut markiert, doch Wetter und Bodenbeschaffenheit erfordern Aufmerksamkeit. Halte dich an markierte Pfade, respektiere Absperrungen und achte auf rutschige Kanten. Karten- und kontaktlose Zahlungen funktionieren in Island nahezu flächendeckend; kleine Bargeldbeträge sind optional. Mobilfunk funktioniert in Städten zuverlässig; auf See übernimmt das Bordnetz. Denke an Roaming-Kosten und setze den Flugmodus, wenn das Bordnetz aktiviert wird. Nachhaltigkeitsaspekte:
– Wiederverwendbare Flasche statt Einweg
– Lokale Anbieter bei Ausflügen unterstützen
– Natur nicht betreten, wo Vegetation oder Boden empfindlich sind
– Tierbeobachtung mit Distanz; Richtlinien der Guides beachten

Fazit und Reise-Checkliste

Eine 7-tägige Kreuzfahrt von Deutschland nach Island ist ein konzentrierter, gut planbarer Ausflug in subarktische Welten. Der Schlüssel zum Gelingen liegt in klugen Prioritäten: eine realistische Routenwahl mit zwei intensiven Hafentagen, flexible Ausflüge, die auch bei Wind funktionieren, und ein Bordalltag, der Erholung und Information verbindet. Wer den Nordatlantik respektiert, wird belohnt – mit Licht, das lange bleibt, Tönen des Meeres, die beruhigen, und Landschaften, die den Blick weiten. Der eigentliche Luxus einer solchen Woche ist nicht Überfluss, sondern Stimmigkeit: Jeder Tag hat einen klaren Charakter, vom Aufbruch über die Fjordkulisse bis zur stillen Rückkehr in den Heimathafen.

Für wen eignet sich diese Route? Für Reisende, die Natur lieben, bewusst reisen und sich auf Wetterwechsel einlassen. Familien profitieren von strukturierten Tagen und kurzen Wegen in Reykjavik. Aktive Paare schätzen Wanderoptionen und Panoramafahrten. Alleinreisende finden an Bord Programm und Ruhe zugleich. Entscheidend ist, Erwartungen zu kalibrieren: Island „komplett“ in sieben Tagen ist kein Ziel – es geht um prägnante Eindrücke, die wirken.

Reise-Checkliste für die letzte Woche vor Abfahrt:
– Reisedokumente prüfen, Versicherungsnachweis mitführen
– Bahn- oder Parkticket für den Abfahrtshafen sichern, Puffer einplanen
– Landausflüge reservieren, stornierbare Tarife bevorzugen
– Kabineneinteilung checken, Lage mittschiffs bei Sensibilität für Seegang
– Packliste durchgehen: Zwiebelprinzip, wasserdichte Schicht, griffige Schuhe
– Digitale Themen: Offline-Karten, E-Tickets, Datenvolumen oder Bord-WLAN-Plan
– Gesundheit: persönliche Medikation, Rücksprache zu Reisemitteln
– Bordabrechnung: Zahlungsmittel hinterlegen, Limits prüfen

Mit dieser Struktur segelst du nicht nur von A nach B, sondern durch eine Woche, in der jedes Element seinen Platz hat. Die See liefert den Takt, du bestimmst die Melodie: mal ruhig, mal kraftvoll, immer achtsam. So wird deine Island-Woche ab Deutschland zu einer kompakten, erinnerungswürdigen Reise – zuverlässig geplant, erlebnisreich umgesetzt, und offen genug, um dem Unvorhergesehenen Raum zu geben.